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Irre - Wir behandeln die Falschen: Unser Problem sind die Normalen - Eine heitere Seelenkunde

Irre - Wir behandeln die Falschen: Unser Problem sind die Normalen - Eine heitere SeelenkundeAutor: Manfred Lütz
Urheber: Manfred Lütz, Eckart von Hirschhausen
Verleger: Gütersloher Verlagshaus

Kaufen Neu: EUR 17,95
Stand 21.3.2010 11:58 EDT Einzelheiten



Neu (87) Gebraucht (13) ab EUR 9,90

Verkäufer: Amazon.de
Bewertung: 3.5 von 5 Sternen 80 Rezensionen

Medium: Gebundene Ausgabe
Ausgabe: 12
Seiten: 208
Versandgewicht: 0.8
Maße (innen): 8.7 x 5.7 x 0.9

ISBN: 3579068792
EAN: 9783579068794

Publikation: September 14, 2009
Versand: Sparversand
Verfügbarkeit: Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

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Redaktionelle Rezensionen:

Aus der Amazon.de-Redaktion
Hitlers Taten waren abscheulich. Doch der Diktator war nicht psychisch krank, sondern normal. Statistisch gesehen verüben psychisch Kranke sogar weniger Straftaten als Normale, weiß Psychiater Manfred Lütz aus dem Klinikalltag zu berichten. In seinem Streifzug durch die Spielarten der menschlichen Psyche versucht der Autor, das Wesentliche von Psychiatrie und Psychotherapie darzustellen. Prima, wenn endlich jemand anschaulich erklärt, worüber viele sprechen, aber nur wenige wirklich eine Ahnung haben.

Hauptsächlich dreht es sich um psychische Krankheiten und gängige Therapien. Zunächst führt uns Lütz jedoch vor Augen, wie sehr das Verhalten psychisch Gesunder seltsame Blüten treibt. „Normalos“, die in stumpfer und spießiger Atmosphäre vor sich hindümpeln, bekommen genau so ihr Fett ab wie diejenigen, die Blödsinn professionell erzeugen. Dazu zählt Lütz die Ergüsse von Dieter Bohlen, Paris Hilton oder wilde esoterische Pendeleien.

Zugegeben, das Inhaltsverzeichnis sieht arg nach Seminararbeit aus. Die Stärke des Buches macht aus, dass Lütz viele plastische Beispiele anbietet, um nackte Theorie mit Leben zu füllen. So verstehen Laien besser, was zum Beispiel Depressive von Manikern unterscheidet. Und wenn wir erfahren, wie eine Patientin einmal die Bundeswehr aufmischte, öffnet sich die Pforte zum Reich der netten Anekdote.

Bei der neuen „Volkskrankheit“ Alzheimer konstatiert Lütz: „Wie eine Gesellschaft mit ihren Demenzkranken umgeht, das ist die Nagelprobe für ihre Menschlichkeit.“ Ergo ist die von Lütz angekündigte „heitere Seelekunde“ so lustig nun auch wieder nicht. Tatsächlich fehlt es Lütz nicht am nötigen Ernst, wenn etwa dargelegt wird, wie wenig Wahlfreiheit Süchtige haben, was im Wahnsystem schizophrener Patienten passiert oder wann Psychopharmaka eine befreiende Wirkung entfalten.

Dass wir die Falschen behandeln, wie der Untertitel des Buches reißerisch ankündigt, erweist sich als zu viel des Guten. Auf alle Fälle gilt: „Das mutwillige oder zynische Suchen nach Defiziten bei gesunden Menschen ist menschenunwürdig“, wie der Psychiater und Arzt vor Risiken und Nebenwirkungen der Lektüre warnt. Und während die einen die bisweilen betont locker-flockige Art des Autors weniger mögen, sehen andere darin eine souveräne Haltung voll heiterer Demut. Unter dem Strich lautet deshalb die Diagnose des Kritikers: Prädikat wahnsinnig lesenswert!
– Herwig Slezak


Kundenrezensionen:
Rezensionen anzeigen 1-5 von 80



2 von 5 Sternen Mit Vorsicht zu genießen   März 13, 2010
Laura Winter
3 aus 5 fanden die folgende Rezension hilfreich

Dieses Buch ist in mehrerer Hinsicht eine Mogelpackung. Es ist in keiner Weise eine "heitere Seelenkunde" und den versprochenen Humor habe ich vergeblich gesucht. Der reißerische Titel hat wenig mit dem Hauptteil des Buches zu tun; es ist offensichtlich, dass es allein um die Erregung von Aufmerksamkeit und somit natürlich um Auflage geht. Wenn Autor und Verlag das nötig haben, nun gut, das macht sie weder seriös noch sympathisch. Die Aussage im Titel "Wir behandeln die Falschen" findet überhaupt keine Entsprechung im Inhalt, ganz im Gegenteil. Es wird überhaupt nicht in Frage gestellt, dass psychisch kranke Menschen behandelt werden sollen (vorzugsweise mit Psychopharmaka), und Herr Lütz drückt nur allzu deutlich sein Missfallen über die Leute aus, die meinen, dass sie Therapie brauchen, seiner Meinung nach aber nicht "wirklich" krank sind und somit nur Therapiezeit stehlen. Diese Menschen haben eben das Pech, dass sie nur zu den "Normalen" gehören und somit leider bei Herrn Lück komplett unten durch sind. "Unser Problem sind die Normalen" - der definitive Werbeslogan dieses Buchs, ein Satz, den Herr Lück offensichtlich für die Offenbarung des Jahrhunderts hält und den er auch nicht oft genug wiederholen kann.
Dieser prokokanten Aussage widmet er etwa 26 Seiten, nach deren Lektüre ich keine negativen Worte mehr fand (da ich alle verbraucht hatte). Falls das "Satire" sein soll, ich fand keine Anhaltspunkte dafür. Also blieb nur die Bewertung: kompletter .... (bitte ergänzen Sie selbst)! Lütz baut eine künstliche Front auf (normal-krank bzw. außergewöhnlich), an der er sich dann genüsslich abarbeitet. "Die Normalen", in diese Schublade stopft Lück alles, was ihm so an Negativem in den Sinn kommt und er charakterisiert die verschiedenen Typen äußerst differenziert und menschenverachtend. Was das alles soll, blieb mir schleierhaft, denn das kann ja wohl keiner wirklich ernst nehmen. Bei Lütz klingt es allerdings nicht besonders komisch. Und er baut sein Lieblingsthema, die Abwertung alles "Normalen", bis zum Ende des Buches immer wieder ein. Meines Erachtens disqualifiziert er sich damit selber, denn mit dieser Unsachlichkeit relativiert er auch die an sich akzeptablen Passagen seines Buches. Insgesamt ist dieses Buch ein seltsamer und auch unausgegorener Mischmasch aus Oberflächlichkeiten, Sachinformationen, unbelegten Behauptungen und eigenen (diskussionswürdigen) Ansichten vor dem Hintergrund eines -wie ich finde- missglückten Aufhängers. Es macht mehr Sinn, sein Geld in ein "richtiges" Fachbuch zu investieren.



5 von 5 Sternen Komik entsteht, wenn man Tragödien anschaut und dabei ein Auge zukneift.   März 10, 2010
Sandra Taibon
Und genau das ist es, was der Autor tut! Er schildert anhand tragischer, aber nicht weniger komischer Beispiele diverse psychische Erkrankungen und wagt dabei immer wieder den Vergleich: ist das alles wirklich so "krank" oder sind es nicht vielmehr ganz andere Menschen, die eigentlich auf die Couch gehören? Als da wären: Menschen, die Gefallen an stumpfsinnigen Sendungen wie Dschungelcamp finden - oder noch schlimmer - daran teilnehmen. Menschen, die ohne mit der Wimper zu zucken Kriege auslösen oder Wirtschaftssysteme zu Fall bringen. Manfred Lütz stellt auch klar: ein psychisch kranker Mensch tut nichts Böses, nur böse Menschen tun Böses!
Das Buch lässt uns auf breitem Felde einen Blick in die Psychologie und Psychiatrie werfen, ohne dass man dazu Fachmann sein muss. Es erklärt auf simple Weise Begriffe wie Depression, Schizophrenie, Sucht, Manie, Phobie, etc. und es führt uns immer wieder vor Augen, dass wir "Normalos" manchmal auch eine Psychiater gebrauchen könnten.
Diese Buch wird jenen gefallen, die nicht Fachsimpelei sondern unterhaltsame Information suchen. Es ist flott geschrieben und bietet eigentlich alles, was man sich von einem Sachbuch erwarten kann. Nicht umsonst hat Eckard von Hirschhausen ("Die Leber wächst mit ihren Aufgaben" und "Glück") das Vorwort geschrieben - die beiden Autoren sprechen die selbe Sprache!



3 von 5 Sternen Ganz nette Lektüre, aber mit Mängeln und zweifelhaften Aussagen   März 4, 2010
J. Offermann
Ich habe mir das Buch gekauft, weil mich der Titel ansprach und weil auch ich finde, dass Leute mit 'ner Macke mehr vom Leben haben.

Kurz, nachdem ich mich an die ersten Seiten des Buches gemacht hatte, hatte meine Vorfreude leider bereits einen ersten Dämpfer bekommen. Denn wenn man sich, so wie ich, die Mühe macht und den Klappentext liest sowie das Vorwort von Eckart von Hirschhausen, gefolgt vom Vorspiel und der Einführung, bekommt man gefühlte 50 Mal in allen möglichen Variationen die Hauptaussage von Herrn Lütz & Co. um die Ohren gehauen, dass die Normalen auf dem Erdenball eigentlich die Kranken seien und die psychisch Angeknacksten die Normalen. Man hat eigentlich recht schnell kapiert, worauf Herr Lütz hinaus möchte, doch finde ich, hätte er das Kundtun seiner These ruhig ein bisschen besser dosieren können und dem Leser am Anfang auf den wenigen Seiten nicht in dermaßen geballter Ladung plump-aufdringlich eintrichtern müssen.
Um so positiv überraschter war ich, dass das Buch im Folgenden einen seriösen, für den Laien verständlichen Überblick über die gängisten psychischen Erkrankungen und deren Behandlung bot. Den hier mehrmals aufgekommenen Vorwurf, dass sich Herr Lütz anmaße, auf nur 180 Seiten "Alle Diagnosen, alle Therapien" der Psychotherapie zum Besten zu geben, sollte man nicht ganz so Ernst nehmen. Es ist müßig zu glauben, dass ein Psychiater mit über 30 Jahren Berufserfahrung für sich in Anspruch nimmt, alles Wissenswerte und Relevante von Psychiatrie und Psychotherapie in dieses kleine Büchlein zu packen. Erst recht bei dem humorvollen Anstrich, der wohl kaum zu übersehen ist und erst recht, da er dies im Nachwort selbst einräumt. Insofern kann ich diese Kritik in keinster Weise nachvollziehen.

Was beim Lesen der Lektüre deutlich wird, ist die positive Haltung des Autors zur Behandlung psychischer Krankheiten mit Psychopharmaka. Auch ich finde, dass man jene Medikamente nicht pauschal verteufeln und zu kritisch betrachten sollte und diese durchaus ihre Daseinsberechtigung haben, da sie, und das weiß ich aus eigener Erfahrung, einem seelisch Erkrankten tatsächlich deutlich dabei helfen können, schneller und besser zu genesen. Daher konnte ich auch diese Kritik, die hier mehrmals vorgebracht wurde zunächst nicht teilen - bis ich auf Seite 158 des Buches vorgelangt war. Bis dorthin hatte Herr Lütz, wie gesagt, mehr als einmal seine Vorliebe zur Behandlung psychischer Erkrakungen mit Psychopharmaka kundgetan, doch die Anekdote, die er auf besagter Seite zum Besten gibt, schlug dem Fass dann doch den Boden aus: Hier erzählt Herr Lütz, wie stolz er darauf war, eine schwer depressive Frau erfolgreich durch die Verabreichung von Lithium wieder geheilt zu haben. Dummerweise bekam sie von dem Lithium einen Nierenschaden, so dass ihr behandelnder Internist das Mittel wieder absetzte. Die Folge war, dass die Patientin wieder schwer deppressiv wurde. Die Frau bestand jedoch darauf, wieder Lithium zu bekommen. "Sie war voll aufgeklärt, wollte aber das Nierenrisiko in Kauf nehmen, um ihre schrecklichen Depressionen nicht mehr zu bekommen." Vielleicht hätte Herr Lütz jene Anekdote besser nicht in seinem Buch erzählt, denn ich finde es höchst zweifelhaft und bedenklich, seiner positive Einstellung zur medikamentösen Behandlung psychischer Krankheiten anhand einer solchen Geschichte die Krone aufzusetzen und einen Nierenschaden bei einer Patientin als das geringere Übel darzustellen.

Zuguterletzt noch ein Punkt, weshalb das ansonsten durchaus lesenswerte Werk für mich nicht mehr als 3 Sterne verdient hat: Die Arbeit des Korrektors dieses Buches kann nicht anders als lausig beschrieben werden. Man muss sich fragen, ob der Text überhaupt durch die Hände eines Korrektors gegangen ist, denn es wimmelt in dem Buch von haarsträubenden Kommafehlern und auch grammatikalisch ist auf den knapp 190 Seiten einiges im Argen. Wie das Buch so abgenommen werden und in den Druck gehen konnte, ist mir vollkommen schleierhaft.

Deshalb gibts von mir für den Schmöker insgesamt nur drei Sternchen...



5 von 5 Sternen Irre   März 3, 2010
Dorothea Stehle (St. Georgen)
0 aus 4 fanden die folgende Rezension hilfreich

Das Buch ist bei mir in gutem Zustand angekommen. Das Buch ist Irre wie der Titel.


1 von 5 Sternen Irreführender Mischmasch   März 1, 2010
U. Jansen
4 aus 9 fanden die folgende Rezension hilfreich

Ich habe das Buch nur bis zum Kapitel 'Depressionen' gelesen und werde mir den Rest ersparen. Was den Inhalt betrifft, fand ich dort leider keinerlei neue Erkenntnisse. Möglicherweise habe ich zu viel erwartet, nachdem ich in der Hoffnung auf eine Antwort im Hinblick auf die Frage, warum mein depressiver Freund sich umgebracht hat, dieses Buch gelesen habe, ohne dadurch jedoch auch nur ein Quäntchen schlauer zu werden als zuvor.
Möglicherweise hat das Buch tatsächlich nur die Absicht zu unterhalten, anstatt zu informieren.
Viel mehr habe ich teils sehr verärgert fest gestellt, daß die Krankheitsbilder (bis zum Kapitel 'Depressionen', denn weiter habe ich nicht gelesen) erstaunlich harmlos dargestellt und obendrein auch noch verschwiegen wird, daß beispielsweise Angehörige von Suchtkranken, vor allem deren geistig, seelisch und oft auch körperlich misshandelte Kinder, oft behandlungsbedürftiger sind, als der 'Kranke' selbst. Von Triebtätern und deren Opfern wohl mal ganz zu schweigen.
Alles Andere haben die bereits veröffentlichten 1-Sterne Rezensionen schon sehr gut dargelegt und dem möchte ich mich hiermit anschließen. Lieber richtige Fachliteratur zum jeweiligen Krankheitsbild lesen, als diesen irreführenden Mischmasch.


Rezensionen anzeigen 1-5 von 80


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